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Lausitzer Rundschau, 6. August 2005:
»Wir wollen schneller sein als der Tod«

Maria Kohl verwirklicht Träume kranker Kinder – auch in der Lausitz

Krebs. Die Angst vor einem nahen Tod. Kliniken, Therapien, Schuldgefühle – Kinder, die an einer lebensbedrohlichen Krankheit leiden, denken an vieles. Nur die eigenen Wünsche, die stellen sie ganz weit hinten an. Die Wünsche – und mit ihnen ganz viel Freude – wieder hervorzulocken, hat sich Maria Kohl zur Aufgabe gemacht. Mit ihrem Verein «Kinderträume» macht sie auch in der Lausitz kleine Patienten glücklich.

Kurze Haare, wache Augen, ein schmales Silberkreuz an der Halskette. Maria Kohl ist 69 Jahre alt, doch wenn sie mit ihrer hellen klaren Stimme spricht, erzählt von ihren Erlebnissen auf Kinderkrebsstationen, dann wirkt sie alterslose. Sängerin war sie, freiberufliche Künstlerin. «Aber ich wollte schon immer etwas mit Kindern machen. Vielleicht auch, weil wir zu Hause immer so viele Pflegekinder hatten.» Als sie einen Film über amerikanische «Wunsch-Erfüller» sah, wusste sie plötzlich, was ihre Aufgabe war. «Ganz dumm, ganz naiv und unerfahren habe ich mich daran gemacht, hier in Deutschland einen Hilfsverein für kranke Kinder auf die Beine zu stellen.» Seit acht Jahren gibt es nun den «Kinderträume e.V.» und Maria Kohls schmale Gestalt ist zum vertrauten Anblick auf den Fluren der Krebsstationen geworden.

Den Herzenswunsch herausfinden
Auch im Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum ist sie regelmäßiger Gast. «Bei jedem Besuch spreche ich natürlich erst mal mit den Ärzten oder der Stationsschwester. Welche Kinder sind neu, welche hatten einen Rückfall, wer wartet auf meinen Besuch. Ja, und dann unterhalten wir uns einfach.» Den richtigen Ton zu finden, hat Maria Kohl gelernt in den vergangenen Jahren. «Die Kinder wissen ja sehr genau, was mit ihnen los ist. Die entwickeln eine Reife, das ist unglaublich.» Doch gerade diese Reife, dieser Ernst und das Verantwortungsgefühl der jungen Patienten macht die Arbeit der Wunsch-Erfüllerin oft so schwierig. «Die Kinder haben schwere Schuldgefühle, dass sie ihren Familien so viel Kummer machen. Da lassen sie einen eigenen, ganz und gar egoistischen Wunsch nur für sich gar nicht mehr zu.» Oft dauert es Monate oder gar Jahre, bis ein Kind endlich die Gewissheit hat: Genau das ist mein Herzenswunsch. Ein Besuch im Disney-Land, ein Treffen mit dem Lieblingsstar, Urlaub auf dem Reiterhof.

«Und wenn wir diesen Wunsch dann erfüllen, ist das solch ein Strahlen, solch ein großes Glück, das ist unbeschreiblich.» Unbeschreiblich – und messbar. «Nach einer Wunscherfüllung geht es den Patienten deutlich besser. Die Blutwerte steigen, das Wohlbefinden, die Lebenserwartung.» Eben deshalb, so Maria Kohl, sei es auch so wichtig, wirklich den richtigen Wunsch zu finden. «Wir hatten ein Mädchen, das wünschte sich für die Zeit nach der Chemo sehnlichst Rasta-Zöpfe. Die Eltern überredeten sie dann, sich doch lieber etwas Bleibendes – einen Computer – zu wünschen.» Heute ist das Mädchen tot. Der Computer ist der Familie geblieben, aber auch der wohl ewig nagende Gedanke an den unerfüllt gebliebenen Traum ihrer Tochter.

[…]
Auch Felix Budack gehört derzeit zu den Patienten der Cottbuser Kinderklinik. Neun Jahre ist der kleine Junge aus Waldow (Dahme-Spreewald), im vergangenen Jahr erkrankte er an Leukämie. Immer wieder musste er für lange Wochen ins Krankenhaus, auch jetzt hat er gerade wieder sein Klinikbett bezogen. Diesmal aber hat er einen kleinen Begleiter dabei – einen Haifisch aus Plüsch. Erinnerung an Ferien der ganz besonderen Art: Der Verein «Kinderträume» hatte Felix und seiner Familie einen Besuch im Sea-Life-Center am Timmendorfer Strand ermöglicht, dazu einen 14-tägigen Aufenthalt in Klingenberg. Mutter Michaela Budack: «Felix ist ein großer Fan von Haifischen. Jetzt konnte er endlich seine Lieblinge hautnah erleben, durfte sie füttern und ist sogar Pate eines Katzenhai-Babys.»

Das unendliche Leid
Maria Kohl, die ihn bei seinem Ausflug ins Sea-Life-Center begleitet hat, zehrt lange von diesen Momenten. «Die Freude zu sehen, den Glanz in den Kinderaugen, das motiviert so unglaublich.» Doch es gibt eben auch andere Momente. Wenn Kinder zu Grabe getragen werden, die sie oft über Jahre durch alle Phasen von Leid und Hoffnung begleitet hat. «Da kann man gar nichts mehr sagen, auch den Angehörigen nicht. Dieses Leid ist so ungeheuerlich, so groß, dass es dafür keine Worte gibt.»
Sie selbst zieht sich dann zurück. Niemanden sehen, Stille finden, Frieden machen. Oder einen Weg suchen, dem Tod wenigstens ein kleines Schnippchen zu schlagen. «Ein Junge hatte sich von uns gewünscht, dass wir ein TV-Team organisieren, das ihm sein Zimmer komplett umbaut während er in der Klinik ist. Es war sehr schwer, dafür Partner zu finden. Und als der MDR sich bereit erklärt hatte, war es zu spät – der Junge war gestorben.» Dieses scheinbare Versagen, diese Ohnmacht nagt an Maria Kohl. «Jetzt haben wir uns entschlossen, das Zimmer trotzdem neu einzurichten. Die Schwester des toten Jungen wird es beziehen und so gestalten, wie ihr Bruder es sich gewünscht hatte.»

Fast ein Übermaß an Freude und Trauer ist es, die durch das Leben von Maria Kohl ziehen – und ihre Sicht auf die Welt verändern. «Weil ich immer wieder erlebe, dass diese Kinder nicht wirklich tot sind, dass ihre Energie nicht verloren ist. Und weil ich immer wieder Zeichen bekomme, dass eigentlich nicht ich es bin, die diese ganze Arbeit macht. Da steht schon eine ganz andere Macht dahinter, die mir die Kraft und die Macht gibt, alle diese Dinge in Bewegung zu setzen» , sagt Maria Kohl.

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