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Tagesspiegel, 19. Juli 1997:
Ein Besuch bei Klinsmann ist Standard

Es ist still auf der Kinderstation Onkologie. Die Wände auf dem Gang sind bunt bemalt, von der Decke hängen lustige Tiere, doch aus den Zimmern dringt kein Laut. Auch der zehnjährige Daniel spricht meist leise. Doch dafür strahlen Daniels Augen. »Nächste Woche fahre ich einen ganzen Tag mit meinem Bruder Motorboot.«

Daniel liegt schon zum zweiten Mal auf der Kinderstation, nach drei gesunden Jahren schlug seine Krebskrankheit erneut zu. Doch dieses Mal war eines Tages eine fremde Frau an Daniels Bett getreten. »Guten Tag«, hatte sie sich vorgestellt, »mein Name ist Maria Kohl und ich komme vom Verein Kinderträume.« Die Frau sagte, dass ihr Verein schwerkranken Kindern ihre Träume erfülle. Wochenlang wusste Daniel nicht, wofür er sich entscheiden sollte, doch an die Besuche von Maria Kohl gewöhnte er sich bald. »Dann kam uns die Idee mit dem Motorboot«, sagt er. Und strahlt.

Vor sieben Jahren begann Maria Kohl, die zumeist krebs- und aidskranken Kinder der Stadt zu besuchen. Nach und nach wurde so aus der freiberuflichen Sängerin eine Art vollberufliche Fee: »Mein Beruf war so egoistisch, und ich wollte immer etwas mit Kindern machen«, sagte die 61jährige. »Aber heiraten war nie mein Ding.« Geboren und aufgewachsen ist Maria Kohl in Eisleben, nach der Schule ging sie nach Berlin, studierte an der Hochschule für Musik Gesang. 1990 hat Maria Kohl dann bei dem Verein »Wünschdirwas« angefangen, vergangenen Mai gründete sie schließlich den Verein »Kinderträume«. »Wir betreuen die Kinder in Buch, im Virchow, im Herzzentrum und in Heckeshorn, fahren nach Greifswald, Jena, Rostock, Halle und Sachsen-Anhalt.« Sechs Kinder besucht Maria Kohl an diesem Tag auf der Kinderstation in Buch, an anderen Tagen sind es zehn oder fünfzehn. Bei den Ärzten ist sie willkommen, denn das Wunschfee-Spielen hilft auch medizinisch: Kinder, die sich von Herzen auf etwas freuen können, schöpfen neue Kraft im Kampf gegen die Krankheit. Und wie sind die Heilungschancen der kleinen Patienten? »Das variiert. Bei Blutkrebs beispielsweise liegt das bei etwa 80 Prozent.«

Eine Bedingung muß Daniel allerdings erfüllen, damit sein Traum in Erfüllung geht: »Du malst mir ein Bild von deinem Wunsch«, sagt Maria Kohl beim Abschied. Im nächsten Zimmer liegt Christian. »Ich weiß nicht, was Sie meinen«, flüstert der 10jährige und schaut verdattert die Frau am Kopfende an. Da holt Maria Kohl die Fotomappe raus und fängt zu blättern an. »Na, kennst du den? Oder den?« Still schaut Christian auf die Bilder. Er sieht Kinder mit kahlen Köpfen, die lachend neben Prominenten stehen: Arnold Schwarzenegger, Thomas Gottschalk, Michael Schumacher, Linda de Mol, Michael Steinbrecher, die Kelly Family, Franz Beckenbauer, Jürgen Klinsmann ... Das Treffen mit einem Star, ein Besuch im Disneyland - es sind die Klassiker unter den Kinderwünschen. Aber es gibt auch Ausnahmen: So wollte ein Junge unbedingt durch die Kanalisation der Stadt wandern, ein anderer wünschte sich einen Flug im Doppeldecker und ein Mädchen träumte von einer Spielstunde mit dem Serienhund »Rex«. Zur Zeit warten 60 Kinder darauf, dass ihre Wünsche erfüllt werden. Doch Christian braucht offenbar noch etwas Zeit. Er sucht sich schüchtern ein Foto aus (»Die Kelly Family, bitte.«) und verspricht, ab jetzt über seine Wünsche nachzudenken.

Auf dem Gang zum nächsten Zimmer wird Maria Kohl ernst. »Das wirkt jetzt also positiv.« Manchmal seien die Besuche sehr bedrückend, besonders, wenn die Kinder den Kampf gegen die Krankheit verlieren. Wie kürzlich der kleine Junge in Jena? »Er wollte unbedingt noch mal Henry Maske sehen«. Sagt Maria Kohl. Wenige Tage nach dem geplanten Treffen verließen das Kind endgültig die Kräfte.

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